In einer seltsamen Koalition aus Pro 7, McDonald's, Shell-Tankstellen, der Deutschen Bank 24 und T-D1 wird eine neue Marketingmasche propagiert: Die Dotwins. Zuerst soll man sie sich bei den genannten Firmen besorgen, dann auf den Fernseher kleben während eine bestimmte Sendung läuft und dann kann man gewinnen.

Im Internet kursieren jetzt Gerüchte die Dotwins seien mit einem Spionagechip ausgestattet der nicht nur das Modell des Fernsehgeräts sondern auch Stimmen aus dem Raum aufzeichnen könne. Das ist Unsinn. Inzwischen hat es der Dotwin auch schon in die Hoax Liste der TU Berlin geschafft, die immer ein guter Anlaufpunkt in solchen Fällen ist.

Daß die GEZ alle Daten der Teilnehmer bekommen soll, wollen wir zwar nicht ausschließen halten aber solch rechtlich mindestens fragwürdiges Tun von einem Privatsender der ja von den Einnahmen nichts abbekommt für eher unwahrscheinlich.

Aber auch schon die Beschreibung des Herstellers klingt sehr abenteuerlich. So soll unter anderem der Sender, Sendetag und Sendezeit festgestellt werden können.

Einen guten Bericht über die tatsächliche Funktionsweise des Pappscheibchens gibt DIE ZEIT. Mit Hilfe einer lichtempfindlichen Folie wird tatsächlich das während der Sendung eingeblendete Dotwinsymbol auf den Dotwin abgebildet und, weil das Symbol zu unterschiedlichen Zeiten etwas verdreht wird kann die Sendezeit festgestellt werden. Unklar bleibt wie groß der Fernseher sein muß. Auf kleinen Bildschirmen überdeckt das Pappscheibchen nicht den kompletten roten Punkt und auf großen lugt der rote Punkt über den Rand hinaus. Dementsprechend müssen einige Scheiben schon aus technischem Grund "falsch belichtet" eingehen. Eine Nachfrage beim Zuschauerservice von Pro 7 ergab, daß wer sein Fernsehbild mit einem Projektor an die Wand vergrößert keinen Dotwin kleben und nur mit der Zählmethode teilnehmen könne.

Aber etwas Paranoia schadet bekanntlich nie. Was sind die wahren Gründe für die Dotwin Aktion? Zum einen ist es ein gewaltiger Werbegag. Ganz Deutschland redet von Dotwins und auch dieser Artikel trägt mit dazu bei.

Außerdem kann man sich vorstellen, daß es für viele Firmen interessant ist wer ihre Produkte kauft. Supermärkte bieten bares Geld, wenn der Kunde seine informationelle Selbstbestimmung aufgibt und alles auf seine Paybackkarte speichern läßt. Und mit den Dotwins werden natürlich auch Daten gesammelt. Zwar beteuern die Beteiligten daß die Daten ausschließlich zum Zweck der Gewinnziehung verwandt und nicht an Dritte weitergegeben werden, aber sind die anderen beteiligten Firmen schon "Dritte"?

Ein empfehlenswerter Trick ist es, wenn man auf die Teilnahme an solchen Spielereien nicht verzichten will, seine Adresse leicht zu verändern. Ein falscher Buchstabe im Namen oder der Straße lassen die Post meist trotzdem noch ankommen können aber, wenn Werbung an die so veränderte Adresse kommt den Verursacher identifizieren. Viel einfacher geht das natürlich noch mit E-mail Adressen, wenn sich Firma X auch immer wundert, daß ich die Adresse Firma-X@<mein-Rechner> habe.

Weitere Quellen:

Chaos Computer Club - Ulm
mail@ulm.ccc.de